
Wir sind hier in Tokio schon mitten im November und mein Garten steckt in einer Art Identitätskrise. Oder vielleicht bin ich es.
Die Okra, stur wie eh und je, treibt immer wieder Blüten aus, als hätte sie die Erinnerung an die kälteren Nächte nicht mitbekommen. Das Gleiche gilt für die Tomaten – an den müden Ranken kleben immer noch Blüten, kleine gelbe Ausbrüche von Optimismus vor dem bräunlichen Laub. Auberginenblüten sind zu dieser Jahreszeit wunderschön, auch wenn das Laub trauriger aussieht als eine Trennung von Taylor Swift. Ein Teil von mir weiß, dass ich sie ausziehen, die Betten räumen und alles für den Winter einpacken sollte. Aber ein anderer Teil von mir kann es nicht ganz schaffen. Nicht solange sie es noch versuchen.
Und dann sind da noch die unsterblichen Kohl- und Grünkohlsorten, die endlich richtig Fahrt aufnehmen. Darauf haben sie den ganzen Sommer gewartet – diese kühlen, klaren Morgen sind genau das, was sie wollen. Die Blätter sind jetzt zart, süß, genau wie sie sein sollen. Gerade als ich mich entspannen sollte, kommen sie auf Touren.
Hier bin ich also, gefangen zwischen den Jahreszeiten. Die Warmwetter-Pflanzen wollen nicht aufgeben, die Kaltwetter-Pflanzen fangen gerade erst an. Es fühlt sich an, als wäre man auf einer Party, bei der einige Leute ihre Mäntel anziehen, um zu gehen, während andere gerade mit Flaschen Wein ankommen.
Ich denke, zu diesem Zwischenmoment gibt es etwas zu sagen. Dafür, dass sich die Dinge in ihrem eigenen Tempo entfalten, anstatt sich an einen willkürlichen Gartenkalender zu halten. Die Okra gibt auf, wenn sie fertig ist. Auch die Tomaten. Und die Grünen? Sie werden noch lange danach dort sein, wahrscheinlich bis weit in den Dezember hinein, wenn wir Glück haben; Eigentlich habe ich noch welche vom letzten Jahr… Ich habe sie auf einen Baumstumpf geschnitten und jetzt wachsen sie nach.
Vielleicht lehrt mich der Garten etwas über Übergänge – wie sie selten sauber oder vollständig sind, wie Enden und Anfänge dazu neigen, sich zu überschneiden und miteinander zu verschwimmen. Oder vielleicht zögere ich nur die unvermeidlichen Aufräumarbeiten hinaus.
So oder so, ich werde noch nichts zu Ende bringen.
Von: pgm60640